Erste Hilfe vs. Heilung und Veränderung

Weißt du, in welcher Situation du dich gerade befindest? Akzeptierst du es?
Oft fällt mir auf, dass sowohl bei der Bitte um Hilfe als auch bei den Ratschlägen, die gegeben werden, genau das völlig außer Acht gelassen wird. Die besten Tipps gehen dadurch ins Leere - und was zu einem späteren Zeitpunkt wirklich hilfreich wäre, hat dadurch zumindest einen schalen Beigeschmack.

Meine Erste Hilfe: Innehalten. Atmen. Anschauen. Was ist gerade los? Was brauche ich, um aus dem Überlebenskampf zu kommen?

Manchmal ist das eine Umarmung. Manchmal eine Tasse Tee. Manchmal ein Taschentuch. Meistens ein Ausdrücken der Gefühle, die grad in einem toben. Manchmal die Erkenntnis, dass man gerade nichts tun kann, außer sich möglichst sicher treiben zu lassen, bis das Wasser ruhiger wird.

Beispiele gefällig?

Was mein ich damit: Du bist am ertrinken. Irgendetwas hat deine bisherige Fähigkeit, dich im Wasser fortzubewegen, eingeschränkt. Bei kleinen Beeinträchtigungen, etwa einem Krampf in den Zehen, können wir kompensieren, uns in sichere Gewässer begeben und uns um den Krampf kümmern. Oder sogar direkt vor Ort Gegenmaßnahmen treffen und dann normal weiterschwimmen.

Bei größeren Schlägen wissen wir nicht mehr, wo oben und unten ist, Angst kommt hinzu, die Strömung zerrt an uns, keine bekannte Schwimmbewegung ist möglich oder in dem Strudel hilfreich. Hier helfen keine Ratschläge, wie man schwimmt und wie man am besten schwimmen übt. Hier gehts um Erste Hilfe. Es geht darum, sich in eine Situation zu bringen, in der man nicht mehr mit aller Kraft mit Überleben beschäftigt ist. Dann kann sich mit all dem beschäftigen, tatsächlich etwas verändern, lernen und anpassen.

Bei einer körperlichen Verletzung ist uns das viel deutlicher bewusst. Wenn ich einen Splitter eingezogen habe, werd ich nicht gleich ein Pflaster draufkleben. Das schützt zwar die verletzte Stelle, der Splitter bohrt sich aber weiter in die Haut. Ich werde diese aktive, ständig fortdauernde Verletzung erstmal entfernen, dann die Wunde versorgen und dann schauen, was ich tun kann, um weitere Splitter zu verhindern - und da kommen dann verschiedenste Möglichkeiten in Frage: Nicht mehr mit Holz hantieren, Handschuhe dabei tragen, achtsamer hingreifen usw usf.

Der Text ist jetzt etwas lang geworden, aber ich sehe es so oft. Menschen, die akut aus der Bahn geworfen sind, deren Welt gerade in Schmerz oder Chaos versinkt, die gerade ihre gerechtfertigte Wut über Zugefügtes entdeckt haben, fragen wie sie das wegbekommen. Die Antworten reichen von loslassen, verzeihen, Wut und Schmerz wegschicken bis "was kannst du daraus lernen". Und sie alle sind nicht falsch. Aber sehr oft verfrüht. Dann funktioniert es nicht und hilft kaum und wird als blöder Rat verworfen und im Schlimmsten Fall nicht mehr aufgegriffen.
Ja, mir geht es auch oft so. Gerade mir selbst gegenüber. Ich will den Schmerz, die Angst, die Hilflosigkeit, die Wut nicht fühlen. Das soll weggehen. Doch davor steht das annehmen, das akzeptieren, wo man gerade ist, dass gerade Chaos herrscht, dass man Luft hängt, dass man im Strudel ertrinkt, dass Schmerz weh tut oder Wut die Angst überspielt.
Und ich sag euch was: Je öfter man es macht, umso schneller ist man aus dem überwältigenden Chaos draußen und kann wieder klarer sehen. Dann erkennt man plötzlich auch Wege, die immer schon da waren.

Nochmal meine erste Hilfe

Innehalten. Atmen. Anschauen. Was ist gerade los? Was brauche ich, um aus dem Überlebenskampf zu kommen?

Manchmal ist das eine Umarmung. Manchmal eine Tasse Tee. Manchmal ein Taschentuch. Meistens ein Ausdrücken der Gefühle, die grad in einem toben. Manchmal die Erkenntnis, dass man gerade nichts tun kann, außer sich möglichst sicher treiben zu lassen, bis das Wasser ruhiger wird. 

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